Muss ein Gottesdienst wehtun?

Ein Sitzgefühl für die Ewigkeit

Der Sonntagsartikel im «Der Rheintaler» vom 6.5.17 verfasst von Pfarrer Andreas Brändle, Diepoldsau.
Wenn ich vor Beginn des Gottesdienstes am Eingang der Kirche stehe und die Leute begrüsse, fällt mir auf, dass viele Leute eines der gestapelten,  parat liegenden Kissen nehmen........
.........nicht nur ältere auch jüngere Semester. Sind unsere Kirchenbänke so hart, dass man Polster darauf legen muss?

Der Artikel von Gert Bruderer in der Freitagsausgabe des Rheintalers letzte Woche hat mich angesprochen. Er trägt den Titel „Ein Sitzgefühl für die Ewigkeit“. In diesem Artikel beschreibt er zwei unterschiedliche Sitzgefühle in zwei Kleintheatern (Diogenes-Theater und Bühne Marbach). Und er stellt zu Beginn die Fragen: Muss Kunst wehtun? Ist körperliches Leiden im Theater sinnvoll? Und er beantwortet die Frage gleich selber: sicher nicht. Gilt, was fürs Theater gilt auch für unsere Kirchen? Was denken Sie? Muss ein Gottesdienst wehtun? Ist körperliches Leiden in unseren Kirche sinnvoll?

Wenn man in gewisse Kirchen geht, wird man manchmal das Gefühl nicht los, dass das durchaus gewollt ist – dass man auch körperlich leidet. Nach einer gewissen Zeit, weiss man nicht mehr wie man sitzen soll, man beugt sich vor, belastet anders ruckt hin und her. Leider lässt die Konzentration nach. Die Aufnahmefähigkeit für das, was vorne gepredigt und musiziert wird, lässt nach. Ist das sinnvoll? Ich meine:  sicher nicht!

Körperliches Leiden um des Leidens willen ist nicht sinnvoll. Auch wenn gesagt wird: Christus hat auch gelitten am Kreuz – da müssen wir auch etwas leiden können. Eine solche Leidenstheologie halte ich für verfehlt. Christus hat am Kreuz  gelitten für uns, einmal für allemal – damit wir es nicht mehr müssen. Es war ein stellvertretendes Leiden! Die Leiden Christi vervollständigen –das muss kein Mensch, und das verlangt Gott auch von keinem Menschen.

Natürlich aber gehört Leiden zum Christsein dazu – Leiden an einer Krankheit, oder an Ungerechtigkeit, am Unfrieden in der Welt, dass Gottes Schöpfung mit Füssen getreten wird, dieses Leiden ist durchaus sinnvoll, wenn es Menschen zur Umkehr und zum Handeln bringt.

Aber körperliches Leiden in unseren Kirchen, auf unseren Kirchenbänken gehört nicht zu diesem Leiden, es bringt auch niemandem etwas, auch nicht zur Umkehr. Darum plädiere ich für bequeme Stühle, bequemes Sitzen auf unseren Kirchenbänken, damit die Gute Nachricht und die wunderbare Musik gut und konzentriert gehört werden kann.

Eben – ein Sitzgefühl für die Ewigkeit!

Text: Pfarrer Andreas Brändle

Bild: Monika von der Linden

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