Ein Clown vermag zu verzaubern

Der Sonntagsartikel im «Der Rheintaler» vom 6.8.16 verfasst von Pfarrerin Silke Dohrmann, Widnau/Kriessern.
Der Clown Dimitri ist im Juli gestorben. Viele Menschen hat er glücklich gemacht. Wer kennt sein Gesicht nicht, mit dem breiten Mund und der Zahnlücke, mit dem Pony und den Augen, die einen direkt anschauen.
Bis zum Tod im 81. Lebensjahr stand Dimitri jedes Jahr über hundert Mal im Rampenlicht und liess dabei nicht nur seinen Körper und seine Mimik sprechen, er hauchte auch seinen zahlreichen Musikinstrumenten Leben ein. Als Siebenjähriger wusste er bereits, dass er Clown werden würde. Er wusste auch, dass es viel Training und Ausbildung braucht, um ein guter Clown zu werden. Clowns sind wunderbar, so menschlich. Sie wirken verletzlich, selbst wenn sie polternde Haudegen sind. Sie berühren mich, wenn ihnen wieder einmal etwas nicht gelungen ist. Oder wenn sie sich schämen und versuchen, es zu verbergen. Für uns als Zuschauer ist es sehr komisch, wenn der Clown stolpert und sich dann umschaut, ob etwa jemand seine Tolpatschigkeit gesehen hat. Da erkennen wir uns wieder! Clowns zeigen uns ihre und unsere Gefühle so unverstellt und klar, wie es sonst nur Kinder tun. Sie erleben Kränkungen, wie wir auch. Aber wenn sie dann eine Blume aus dem Ärmel ziehen oder staunend einer Seifenblase nachschauen, dann ist der Schmerz wie weggeblasen. Wir werden verzaubert und in eine andere Wirklichkeit gebracht. Eine Freude bricht sich eine Bahn, die ansteckt, zum Lachen reizt und manchmal zu Tränen rührt. «Ein Clown ist ein handelnder Dichter, er selbst ist die Geschichte, die er spielt», sagte Henry Miller. Der Dichter schreibt Worte, ein Clown braucht keine Worte, er hat seinen Körper und seine Instrumente. Er verkörpert das, was Menschen verzaubert. Diese Unmittelbarkeit berührt und öffnet die Herzen. In meinen Augen war Dimitri ein Mystiker. Dimitri hat Menschen zusammengebracht, auch und gerade unterschiedliche Menschen, damit wollte er zum Frieden beitragen. Und wie er die Elefanten liebte, diese sensiblen und kraftvollen Tiere aus der Urzeit! Ein Bild bleibt mir, wie Dimitri imZirkus neben dem Elefanten sitzt, ein jeder auf seinem Hocker, gemeinsam einen Film von den beiden anschauend. Das ist Poesie! Es gibt eine Legende von einem Clown, der am Ende seines Lebens verzagt ist, weil er sich fragt, wie er vor Gott bestehen soll. Gott lässt ihm ausrichten: Du hast das Jesuskind selbst zum Lachen gebracht, danke dafür!
Danke, Dimitri!
Silke Dohrmann Pfarrerin in Widnau/Kriessern

Wer kennt sie nicht, seine immer wieder lustige Nummer mit dem Liegestuhl

Informationen/ Quicklinks

  • A-Treff
    für Menschen in materiell schwierigen Situtationen 
  • Erlebnisprogramme
    Ergänzungsangebot für Jugendliche der 1. und 2. Oberstufe
  • Aktuell 
    Angebote unserer regional zusammengeschlossenen drei Kirchgemeinden 
  • Kirchenbote
    Regionalausgaben und Archiv 
  • Links
    direkte Clicks zu Partnern