Isch da wohr??

Sonntagsartikel im «Der Rheintaler» 5.5.18

Verfasst von Pfarrer Andreas Brändle, Diepoldsau.
Wenn ich die Zeitung lese, dann frage ich mich bei der einen oder anderen Geschichte schon mal: Ist das wirklich wahr? Oder ist das einfach gut erfunden. Eine gute Schlagzeile ist schon die halbe Geschichte. Aufmerksamkeit erzeugen, das ist wichtig. Aber ob es wirklich wahr ist – ist nicht so wichtig!

Nicht erst seit aber spätestens mit Donald Trump sind "Fake News", gefälschte Nachrichten alltäglich geworden, verbunden mit dem was man neuerdings nicht mehr Lüge, sondern "alternative Fakten" nennt. Was ist wahr und was nicht? Erschwerend kommt hinzu, dass man neben dem geschriebenen Wort auch den Bildern nicht mehr trauen kann. 

Bis vor kurzem war doch ein Bild noch ein Bild, aber heute mit den möglichen Techniken der digitalen Bildbearbeitung kann man alle Bilder und Filme fälschen und manipulieren. Ein Mensch der auf einer Bühne steht, klettert plötzlich in einer steilen Felswand – mit digitalen Bildern kann man alles Mögliche und Unmögliche anstellen. Wir brauchen neue Kriterien für die Wahrheit. Ein solches Kriterium könnte lauten: Was viele Menschen für wahr halten, das muss wahr sein. Die Mehrheit hat die Wahrheit. Das wäre ein demokratisches Verständnis von Wahrheit. Dagegen steht die Meinung: Nein, die Mehrheit hat nie recht, die Minderheit hat die Wahrheit. Klar ist, dass wir im Zeitalter der subjektiven Wahrheit leben, das heisst jeder kann für sich selber definieren, was er für wahr hält und was nicht. Aber was ist denn die christliche Perspektive zur Wahrheit?

Was ist Wahrheit? Das hat schon Pilatus im Verhör zu Jesus gesagt. Und Jesus hat ihm keine Antwort gegeben. Aber an anderer Stelle in der Bibel hat sich Jesus sehr klar dazu geäussert. Etwa im Johannes Evangelium Kapitel 17: Vater heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit! Jesus traut sich klar und deutlich zu sagen, was die Wahrheit ist, nämlich das Wort seines himmlischen Vater, das Wort Gottes. Damit sind wir bei der Bibel, oder wie einer der reformatorischen Grundsätze hiess "Sola scriptura" – allein die Heilige Schrift. Aber nicht alles ist heilig, was in der heiligen Schrift steht – Kollege Jens Mayer hat das in seinem letzten Artikel ausgeführt. Darum hat Martin Luther ein weiteres Kriterium hinzugefügt: Evangelium ist nur das "was Christum treibet." Und dies wiederum führt uns zur stärksten und zugleich kontroversesten Aussage, die Jesus gemacht hat: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wenn jemand so etwas von sich behauptet, ist er entweder total verrückt – oder es ist wirklich etwas dran. Gleichgültig bleiben kann da niemand.

Lesen Sie doch wieder mal in der Bibel, Gottes Wort, allein oder gemeinsam mit anderen. Hoffentlich erfahren Sie dabei die Nähe zu Jesus Christus, die Gemeinschaft mit ihm. Beides führt zur Erkenntnis der Wahrheit und zum wahren Leben!

Ihr Pfarrer Andreas Brändle

Bild:

Ausschnitt aus «Was ist Wahrheit? Christus vor Pilatus». Nikolai Nikolajewitsch schuf das Gemälde im Jahr 1890. (Der Rheintaler/Wikipedia 5.5.18)

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