Ich gehöre dazu

Der Sonntagsartikel im «Der Rheintaler» vom 3.3.18 verfasst von Pfarrer Andreas Brändle, Diepoldsau.
Die Monate Februar und März sind traditionell die Monate der Hauptversammlungen von Vereinen.

Vom Schiessverein bis zum Theaterverein halten alle Vereine in diesen Monaten ihre Versammlungen ab. Eigentlich logisch, am Anfang des Jahres werden die Vorstände, Aktuare, Präsidien bestätigt oder neu gewählt, das Jahresprogramm wird vorgestellt und besprochen und es wird auch die Gemeinschaft bei Essen und Trinken gepflegt. Es gibt Menschen, die gehören zu so vielen Vereinen, dass sie den Überblick verloren haben – erst wenn die Einladung zur HV kommt, erinnert man sich daran, dass man ja vor Jahren diesem Verein auch mal beigetreten ist. Und plötzlich fragt man sich: Bin ich jetzt in diesem Verein Aktiv- oder Passivmitglied? Habe ich den Mitgliederbeitrag schon bezahlt? Gehöre ich da wirklich noch dazu? Kann ich mich mit dem was die wollen noch identifizieren?

Auch in der Kirche haben wir Vereine. Den Frauenverein zum Beispiel. Ich als Pfarrer bin sehr froh um diesen Verein, denn er hilft mit Freude und grossem Einsatz bei vielen unseren Anlässen mit. Oder der Kirchenchor. Mit ihrem Gesang bereichern viele Kirchenchöre unsere Gottesdienste. Ein grosse Verlust, wenn es sie nicht mehr gäbe.

Die Kirche ist eine Institution und kein Verein, aber das Thema Identität, Profil und Zugehörigkeit ist auch etwas, was uns beschäftigt. Die Landeskirche sollte allen Menschen gerecht werden, aber kann sie das wirklich?

Ich lese im idea spektrum in der Februarausgabe das Porträt von G.K. Er war 36 Jahre Berufssoldat bei der Bundeswehr und Kirchenvorsteher in einer evangelischen Kirchgemeinde. Er ist seiner Landeskirche treu geblieben, obwohl er in ihr Anfeindungen erleben musste. In den 80er Jahren war er kurz davor, aus der Kirche auszutreten. Damals gab es hitzige Diskussionen um die Stationierung amerikanischer Atomraketen in Deutschland. Viele Pfarrer und Gemeindeglieder engagierten sich in der Friedensbewegung. Berufssoldaten waren in der Gemeinde nicht willkommen. In einem Weihnachtsgottesdienst in dem G.K. mit seiner Familie zugegen war, begrüsste der Pfarrer die Gemeinde mit den Worten: “Liebe Gemeinde, es gibt ja Menschen, deren Gott die Bombe ist.“ Da sei er aufgestanden und habe den Gottesdienst verlassen. Nach einiger Zeit und vielen Gesprächen hat er sich dann entschlossen für die Kirchenvorsteherschaft zu kandidieren und liess sich dazu in Uniform fotografieren und wurde zu seiner grossen Überraschung gewählt.

Identität, Profil und Zugehörigkeit haben Vereine und Kirche gemeinsam. Wie kein anderer hat auch dieses Thema der Dichter und Sänger Mani Matter bearbeitet. In dem Lied „Mir hei e Verein“, schreibt er:

Mir hei e Verein, i ghöre derzue
Und d'Lüt säge: Lue, dä ghört o derzue
Und mängisch ghören i würklech derzue
Und i sta derzue

Ich hoffe Sie gehören auch dazu und  stehen zu Ihrer Kirche oder  ihrem Verein!

Ihr Pfarrer Andreas Brändle

 

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